Alternativkonzept Marheinekehalle 5. August 2006
Sehr geehrte Händler, AnwohnerInnen und KundInnen der Marheineke-Markthalle!
Das bisher von der BGM vorgelegte Konzept erfüllt die von der Politik in Sachen Marheineke-Markthalle festgelegten Punkte nicht! Die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg hat am 24. Mai 2006 zur Marheineke-Markthalle folgenden Beschluss gefasst: „Das Bezirksamt wird beauftragt, Gesprächsrunden mit der BGM, einer/einem Vertreter/-in der zuständigen Senatsverwaltung, Vertretern der Markthallenstandbetreibern und dem Mieterrat Chamissoplatz e. V zum Thema Marheineke-Markthalle einzurichten. Dieser soll unter Berücksichtigung folgender Punkte ein Konzept zum Fortbestand der Halle entwickeln. (...)”. Hinsichtlich der von der BGM beabsichtigten Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen wurden in dem BVV-Beschluß folgende Punkte beschlossen:
• „Die bestehenden Händler sollen eine Bestandsgarantie mit Bestandsmieten erhalten.
• Erhalt des kleinteiligen Krämercharakters der Halle. Denn der macht den besonderen Reiz aus.
• Sanierung ja, aber keine Luxussanierung. Teure Investitionen führen zu hohen Mieten und zu Verdrängung.
• Planungssicherheit und Perspektive für die Händler. Keine weitere Verunsicherung, die zu Leerstand führt.
• Wirksamer Schutz vor Discountern, Filialisten und Ketten.
• Kein Bau einer Tiefgarage unterhalb der Halle.
• Sanierung der Halle bei laufendem Betrieb.
• Finanzielle Entschädigung für die Händler im Rahmen der durch den Landeshaushalt gegebenen Möglichkeiten.
• Staffelmieten, je nach Nutzungsart der Stände.
• Keine Politik der vollendeten Tatsachen. Offenlegung des Umbaukonzepts und Gesprächsrunden mit Händlern und Anwohnern.”
Bislang hat dieser Beschluss bezüglich der genannten Punkte keine Beachtung gefunden. Um den Diskussionsprozess in Gang zu setzen, sind Alternativkonzepte notwendig, welche die von der Politik gefassten Beschlüsse berücksichtigen sowie die Forderungen der KundInnen und AnwohnerInnen aufnehmen.
Das Alternativkonzept wurde den Händlervertretern und Vertretern der Politik im Rathaus Kreuzberg am 21. Juli 2006 vorgestellt. Das Konzept wurde vom Architekt und Designer André Heukamp sowie den Architekten H. Nuttelmann und A. Bauman in Kooperation mit dem Mieterrat Chamissoplatz e.V. erarbeitet. Diese führen dazu Folgendes aus:
Die Marheineke-Markthalle ist architektonisch gesehen alles andere als geeignet, um hier ein Konzept für ein Einkaufszentrum umzusetzen. Uns ist allen bewusst, dass hier zum einen eine wichtige Institution mit über 100-jähriger Tradition verloren gehen wird und zum anderen jede Menge Existenzen auf dem Spiel stehen. Dies war für uns Anlass genug, um uns Gedanken zu einem Alternativkonzept zu machen. In den 50er Jahren wurde die bis auf den Kopfbau und den Keller zerstörte Halle in ihrer äußeren Geometrie (zunächst ohne den östlichen Kopfbau) wiederhergestellt. Das Erstaunliche daran ist, dass die Grundriss-Geometrie der Marktstände ebenfalls exakt wieder hergestellt wurde. Diese historische Struktur hat im Wesentlichen dazu beigetragen, die kleinteilige und dichte Händlerstruktur zu erhalten. Darüber hinaus garantiert diese Struktur die weitestgehende Selbstbestimmtheit der Händler. Gerade diese Selbstbestimmtheit der Händler spielt in dem Konzept der BGM nur eine untergeordnete Rolle. Daher möchten wir die Marheineke-Markthalle mit ihrer Marktstruktur erhalten und stärken. Die Struktur stellt das Kapital des Standorts dar. Das vorliegende Konzept wird dazu beitragen, die Markthalle für die Händler und Betreiber wieder rentabel zu machen. Zugleich erhält das Konzept die Markthalle als unverzichtbares Nahversorgungszentrum für die Kunden sowie als sozialen Kommunikationsraum des Kiezlebens und damit ein wichtiges Stück Kreuzberg.
Das Alternativkonzept nimmt die wesentlichen Forderungen des BVV-Beschlusses auf und beinhaltet folgende Punkte:
1. Die weitestgehende Selbstbestimmung der Händler und die bewährte durchmischte Marktstruktur bleiben erhalten.
2. Ein vielseitiges, qualitätsvolles Warenangebot für die Anwohner wird geschaffen.
3. Verzicht auf den Bau einer Tiefgarage sowie einer Galerie; damit eine Kosteneinsparung von nahezu 1.000.000 €.
4. Schaffung besserer klimatischer Verhältnisse durch Einbau einer Umluftanlage und einer Außendämmung des Daches.
5. Schaffung besserer Lichtverhältnisse durch neue Verglasung im Dachbereich und eine teilweise Öffnung der Halle zur Südseite an der Bergmannstraße sowie Einbau einer besseren Lichtanlage in der Halle.
6. Keine durchgängige Gastronomie- und Spezialitätenzeile an der Südseite! Hier bleiben die oberen Fenster erhalten und werden neu verglast. Schaffung von drei Eingängen und teilweise Öffnung der Fassade dieser Südseite. Die Höhe der Fenster wird bestimmt durch die Höhe der jetzt schon vorhandenen Fenster im Bereich der Kopfbauten (siehe Bacco und Gasthaus Herz). Oberhalb dieser Fenster können Markisen installiert werden, damit die Halle nicht zusätzlich aufgewärmt wird. In dieser Marktzeile ist dann Platz für mindestens einen Obst-/Gemüsestand, Blumenstand, Bekleidungs-/Modegeschäft, Spezialitätenanbieter (wie jetzt bereits in der Halle vertreten). Diese Stände können aufgrund der vorgesehenen neuen Fenster- und Türelemente auch außerhalb der Öffnungszeiten der Halle betrieben werden und Kundschaft in den Abendstunden bedienen.
7. Da Umbauarbeiten an den Kopfbauten nicht erforderlich sind, können die jetzt vorhandenen Betreiber (Buchladen, Tchibo, Bacco, Herz) bleiben. Zusätzliche Gastronomie wird nicht vorgesehen.
8. Das Alternativkonzept sieht keine mehrmonatige Totalschließung der Markthalle vor!
9. Ein Umzug der Händler in die von der BGM geplanten Container ist nicht erforderlich! Die Halle kann während der Bauarbeiten weiterhin betrieben werden. Lediglich die Händler an der Südseite werden für die Dauer der Öffnung der Außenfassade für maximal zwei Monate auf die leerstehenden Stände verteilt und können dann wieder zurückziehen.
10. Bauliche Maßnahmen im Fußbodenbereich erfordern eine kurze Schließung der Halle für ca. 1 Monat (z.B. Sommerferien 2007). Alle weiteren baulichen Maßnahmen im Bereich der Technik und Neugestaltung der Stände (soweit dies vom einzelnen Händler gewünscht) können während des laufenden Betriebes durchgeführt werden.
11. Gestaffelte Mieten für die Händler je nach Lage.
12. Verzicht auf eine zentrale Durchwegung zum Marheinekeplatz; die im BGM-Konzept vorgesehene Zerteilung des Gasthauses Herz wird vermieden).
Das Konzept von André Heukamp + Partner können Sie hier oder unter http://www.heukamp-idm.de/Alternativkonzept_MMH.pdf als PDF runterladen.
