Mieterladen Chamissoplatz
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Stand der Dinge in der Marheinekehalle        8. November 2006

Aktuelle Anwohner- und Kundeninformation zur Marheinekehalle

Wie Sie sicherlich schon festgestellt haben, wurde der Infostand in der Markthalle wie geplant zum 30. September 2006 beendet. Entgegen diverser Gerüchte, ist keine Kündigung seitens der BGM erfolgt!

Der Mieterrat Chamissoplatz e.V. wird nach der Aufgabe des Infostandes in der Halle weiterhin im Rahmen der Bürgerbeteiligung in Sachen Markthalle tätig sein und mit der Teilnahme am „Runden Tisch” die Ergebnisse der Kundenbefragung geltend machen. Über den Fortgang der Dinge informieren wir im weiteren per E-Mail, Pressemitteilungen und Aushängen.

Die von uns im Rahmen der Bürgerinformationen und Bürgerbeteiligung konzipierte Ausstellung „Die Marheineke-Markthalle und andere historische Berliner Markthallen” wird weiterhin am Literaturstand (Reihe 1) in der Marheinekehalle zu sehen sein.

Zum Stand der Planungen zur Marheineke-Markthalle:

Tiefgarage

Am 29. August 2006 hat inzwischen eine zweite, vom Mieterrat Chamissoplatz e.V. im Rahmen der Bürgerbeteiligung veranstaltete Informations- und Diskussionsveranstaltung zur Zukunft der Marheineke-Markthalle stattgefunden. In dieser Veranstaltung hat sich eine deutliche Positionierung der versammelten BürgerInnen gegen eine Tiefgarage unter der Halle abgezeichnet.

Von den auf dem Podium vertretenen Politikern sprachen sich desweiteren Bezirksbürgermeisterin Frau Reinauer, Baustadtrat Herr Schulz sowie Wirtschaftsstadtrat Herr Postler explizit gegen den Bau einer Tiefgarage unter der Markthalle aus!

Herr Foidl als Geschäftsführer der BGM (Berliner Großmarkt GmbH) erklärte hierzu am „3.Runden Tisch”: Die BGM hat die Planungen für die Tiefgarage „ausgesetzt”. Der Bauantrag wird ohne Tiefgarage erarbeitet. Eine Erklärung, was nun mit der Aussage „ausgesetzt” genau gemeint sei, blieb er Herr Foidl schuldig. Die Tiefgarage ist nach den klaren Aussagen von Herrn Dr. Schulz (Baustadtrat und künftiger Bürgermeister) mit ihm und seiner Behörde nicht zu machen. Zur Parkplatzsituation rund um die Halle wird derzeit ein Parkraumgutachten erstellt.

Gastronomie / Südseite

Nach den bisherigen Vorstellungen plant der Betreiber weiterhin eine großflächige Öffnung der Südseite zur Bergmannstraße und die Unterbringung von Gastronomie auf dieser Seite. Im Bereich vor der Halle ist eine große Terrasse für Außengastronomie vorgesehen. In diesem Zusammenhang ist der Wegfall von 15 Parkplätzen (Querparkplätze im Bereich Mitteleingang – Gasthaus Herz) an der Bergmannstraße zu Gunsten der Gastronomie-Außenbewirtschaftung vorgesehen. (Gleichzeitig wird seite ns der Händler und der BGM immer wieder das Fehlen von Parkplätzen bemängelt!?)

Der Mieterrat fordert wie im Innenbereich der Halle auch auf der Südseite eine Durchmischung der Stände.

Auch der BVV-Beschluss vom 30.08.2006 fordert „keine Ausweitung der Gastronomieangebote der Bergmannstraße in die Südseite der Halle, sondern eine Durchmischung von Gastronomie und attraktiven Ständen ...” Die Informations- und Diskussionsveranstaltung in der Passionskirche hat erkennen lassen: Die Kunden und Anwohner wünschen keine Ausdehnung des Gastronomieangebotes an der Südseite der Halle, sondern eine Durchmischung der Stände! D.h. neben den jetzt bereits vorhandenen Gastronomieangeboten sollten Plätze z.B. für Gemüse/Obst, Blumen oder Bekleidung etc. realisiert werden. Es sollte eine Quote von max. 40% für Gastronomie und Spezialitäten festgelegt werden.

Die BGM will hier von Ihren Planungen aber nicht abweichen und schert sich nicht um die Kunden- und Anwohnerinteressen.

Fensterfront / Südseite

Das BGM-Konzept will die gänzliche Öffnung der Südseite bis zur Dachkante mit 5 Eingängen. Aus städtebaulichen Gründen ist eine derartige großflächige Fensterfront nicht vertretbar. Außerdem passt die geplante Glasfassade nicht zu den umliegenden Gründerzeitbauten. Das vorgelegte Alternativkonzept sieht hingegen eine kleinteiligere Öffnung vor, die städtebaulich noch hinnehmbar ist, um mehr Licht in die Halle zu bringen und zugleich eine offene Hallenatmosphäre zu schaffen. Der Mieterrat hat daher in der letzten Sitzung zum „Runden Tisch” einen weiteren alternativen Fassadenentwurf für die Südseite vorgelegt, der großes Interesse bei den anwesenden Politikern fand. Insbesondere sind wir der Meinung, dass die Halle keine drei unterschiedlichen Fassaden erhalten sollte, wenn schon die Öffnung an der Südseite für notwendig bzw. unumgänglich erachtet wird. Hier könnte eine Anpassung an die Kopfbauten erfolgen und die bestehende Architektur aufgenommen werden. Zugleich wären kleinere (abgerundete) Fensteröffnungen sinnvoll, um Licht in die Halle zu bringen und eine offenere Hallenatmosphäre zu schaffen.

Durchmischung

Die vom Mieterrat Chamissoplatz e.V. im Rahmen der Bürgerbeteiligung durchgeführte Kundenbefragung hat ergeben: 79% der Befragten sind gegen die von der BGM vorgesehene Aufteilung in Gastronomie- und Nahrungsmittel-Zonen sowie eine Zone für Dienstleistungen/Sonstiges. 94% der Befragten wollen die bewährte Durchmischung der Händlerstände auch nach einer behutsamen Renovierung der Halle erhalten sehen. Also den Bekleidungs- neben dem Spezialitätenstand oder den Bäcker neben dem Schuster, den Blumenstand neben dem Käseverkäufer usw. Auch die Händler wünschen es so. Im Händler-Protokoll vom 07.08.2006 wird explizit darauf hingewiesen, dass eine Durchmischung der Stände „sehr wichtig” ist.

Herr Foidl hatte in einem Statement gegenüber der Presse ausdrücklich „beteuert”, er sei gewillt „die Struktur der Halle nicht zu zerstören”. Fakt ist jedoch: Das von der BGM geplante „Modell Linse” sieht eine Zerteilung der Halle in strikt voneinander getrennte „Zonen” sowie eine ausschließliche Gastronomie-/Spezialitäten-Zone zur Bergmannstraße hin vor. Durch diese Aufteilung in voneinander abgegrenzte Zonen wird die gemischte Marktstruktur zerschlagen! Mit anderen Worten: Während öffentlich bekundet wird „die Struktur der Halle nicht zu zerstören”, sieht die Planung tatsächlich eine Zerschlagung der gemischten Marktstruktur vor! Dieses ist nicht hinnehmbar!

Wir erinnern daran: 94% der befragten Kunden der Markthalle befürworten eine gemischte Marktstruktur! Die Marheinekehalle ist die einzige Berliner Markthalle, deren historische Marktstruktur noch vollständig erhalten ist. Die bunte durchmischte Marktstruktur der Marheineke-Markthalle ist das besondere Kennzeichen dieser Markthalle. Sie prägt die unverwechselbare, besondere Atmosphäre der Markthalle, die von den Kunden der Halle geschätzt wird.

Die Händler und die BGM wollen das von der BGM vorgestellte Modell „Linse”. Nach dem Willen der BGM wird es aber die von den Händlern und Kunden gewünschte Durchmischung nicht mehr geben! Schließlich werden alle Gastronomie- und Spezialitätenstände an die Südseite verdrängt.

Galerie

Die BGM will an der Nordseite der Halle eine ca. 8 m in die Halle hineinragende als „Galerie” bezeichnete 2. Ebene einbauen. Die Baukosten für diese Galerie betragen ca. 310.000 €. Eine große Mehrheit der Händler hat sich gegen den Einbau dieser Galerie ausgesprochen, da sich die hohen Baukosten wiederum auf die Standmieten niederschlagen. Durch den Einbau verlängert sich die Bauzeit, d.h. die Zeit eines Verkaufs in Containerdorf. Die BVV hat mit einstimmigen Beschluss gefordert, die Entscheidung bzgl. Einbau einer Galerie dem Votum der Händler zu überlassen. Die BGM übergeht die o.g. klaren Voten gegen eine Galerie und besteht auf den Einbau.

Umbau / Containercamp

Nach den Vorstellungen der BGM soll die Halle Ende Dezember 2006 vollständig geschlossen werden und Anfang Januar 2007 ziehen dann die noch verbliebenen Händler in das am Marheinekeplatz aufgestellte Containercamp. Auch wenn die Tiefgarage nun wohl nicht mehr gebaut wird, soll sich die Gesamtbauzeit nicht verkürzen. Die Halle wird demnach für mindestens 10 Monate geschlossen.

* * *

Unbestritten müssen in der Marheineke-Markthalle notwendige Renovierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen durchgeführt werden, damit verbesserte Bedingungen für Händler und Kunden herrschen. Bessere klimatische Verhältnisse können unschwer durch Dämmmaßnahmen im Dachbereich sowie eine funktionierende Umluftanlage geschaffen werden. Neue Fensterverglasungen und ein neues Belichtungssystem sind erforderlich. Einbau von Dachgauben an der Nordseite. Abluft- und Kühlungsanlagen sowie Fußbodenentwässerungen müssen erneuert werden. Diese sinnvollen Maßnahmen können mit wesentlich geringeren Mitteln durchgeführt werden. Die BGM und damit letztlich das Land Berlin könnten einen Großteil der geplanten 4.500.000 € einsparen bzw. kann auf Kreditaufnahmen verzichtet werden. Die verbleibenden Händler werden nicht zu hohen Investition für neue Stände gezwungen. Händlerexistenzen werden nicht gefährdet.

Die BGM als Betreiber der Markthalle sollte eine wirtschaftlich sinnvolle und im Interesse der Kunden, Anwohner und Händler akzeptable Renovierung und Instandsetzung durchführen. Was nützt eine schicke neue Halle, die an den Bedürfnissen der Händler und Kunden vorbeigeplant wird und sich langfristig wirtschaftlich nicht trägt? Das Land Berlin braucht keine weitere Investitionsruine.

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