Nach dem 5. „Runden Tisch” 29. November 2006
AKTUELLES VON DER MARHEINEKEHALLE
Das von vielen Menschen gezeigte Engagement für den Erhalt der jetzigen Marheineke-Markthalle wurde vonseiten der BGM (Berliner Großmarkt GmbH) weitgehend abgeschmettert. Es ist ein Skandal, dass eine landeseigene Gesellschaft derart die im Rahmen der Bürgerbeteiligung geäußerten Wünsche und Forderungen vieler Bürger übergeht.
Die BGM setzt ihre im Sommer 2006 veröffentlichte Planung eines Komplettumbaus und einer völligen Umstrukturierung der Markthalle rigoros gegen alle Bürgereinwände durch. Der Bauantrag wurde jetzt gestellt, zum 31.12.2006 wird die Marheinekehalle geschlossen.
Ab Mitte Januar 2007 werden die verbleibenden Händler in einem Containercamp mindestens 10 Monate lang den Verkauf weiterführen. Die Container (Kosten ca. 200.000 bis 250.000 Euro) werden rund um den Marheinekeplatz aufgestellt. In dieser Zeit werden ca. 50 Parkplätze am Marheinekeplatz wegfallen.
Inzwischen wurden von der BGM bereits Kündigungen gegenüber einigen Händlern ausgesprochen. Die von den Einzelnen verlangte „Investitionsbereitschaft" für einen Stand in der neuen Halle zwischen ca. 10.000 bis 30.000 Euro zwingt die Händler zu hohen Verschuldungen. Durch die Barriere der hoch angesetzte „Investitionsbereitschaft" werden etliche Händler aus der Halle verdrängt. Im Falle einer Übernahme in die neue Halle ergeben sich für viele Händler Mietsteigerungen bis zu 26 %. Dennoch wagen viele nicht sich zu widersetzen, aus Angst vor dem Verlust ihrer Existenz bei Nichtübernahme.
Mit Beginn der Bauarbeiten wird die Halle innen total „entkernt", nicht transportable Standeinrichtungen der Händler zerschlagen. Die jetzige Standstruktur, die bisherige gemischte Marktstruktur, der unverwechselbare Charakter der jetzigen Markthalle werden zerstört. Damit einher geht der Verlust eines von Kunden und Anwohnern besonders geschätzten kommunikativen und sozialen Ortes im Kiez.
Monotone, großflächige Verglasung auf der Südseite
Der Bauantrag der BGM sieht an der Südseite eine großflächige, monotone Verglasung vor. Dort wird die Gastronomie- und Spezialitätenzeile mit dem Ziel der „Andockung an die Gastrozeile der Bergmannstraße" eingerichtet. Im Bereich vor der Halle ist eine große Terrasse für Außengastronomie vorgesehen. Damit wird bislang öffentlicher Raum für private Gewinnzwecke vereinnahmt.
Im Interesse einer Ausweitung der Gastronomie an der Südseite der Halle und einer nicht mehr schwerpunktmäßig auf die Nahversorgung der Kiezbewohner zielenden wirtschaftlichen Nutzung der Außenfläche stellen die Händler die Frage: „Wie soll die Nutzung der Terrassenplätze als ,Parkbänke‘ für Kiezbewohner vermieden werden?"
Es gibt inzwischen einige, keine monotone Glasfassade vorsehenden Gegenentwürfe zur Südfassade. Diese wurden vom Mieterrat Chamissoplatz e.V. und anderen Beteiligten des „Runden Tisches" der BGM und den Politikern vorgelegt. Der vom Mieterrat vorgelegte Entwurf berücksichtigt ökonomische (Mietreduzierung etc.) und ökologische Aspekte sowie die Einpassung in die Umgebungsarchitektur. Die BGM und die Mehrheit der Händler ignorieren diesen Vorschlag.
Tiefgarage gestoppt!
In einem wesentlichen Punkt musste die BGM die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung akzeptieren: Es wird keine Tiefgarage unter der Markthalle geben! Dies wurde durch das Bürgerengagement gegen die TG erreicht. Die Händler, die mehrheitlich für eine Tiefgarage unter der Halle votierten, kreiden die Streichung der Tiefgarage der Tätigkeit des Mieterrates an.
Tätigkeit des Mieterrates Chamissoplatz e.V. / Kundenumfrage
Zur Tätigkeit des Mieterrates Chamissoplatz e.V. in Sachen Marheineke-Markthalle merken wir klarstellend nochmals an: Der Mieterrat Chamissoplatz e.V. wurde im Frühjahr vonseiten der Händler der Marheinekehalle gebeten, eine öffentliche Veranstaltung zur Bürgerinformation durchzuführen. Auf Basis dieser Veranstaltung wurde der Mieterrat Chamissoplatz e.V. vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg mit der weiteren Durchführung der Bürgerinformation und Bürgerbeteiligung zur Zukunft der Marheinekehalle betraut. In Wahrnehmung dieser Aufgabe wurde von uns eine Kundenbefragung durchgeführt, deren Ergebnisse dem Betreiber der Markthalle und zuständigen Politikern vorgelegt und öffentlich gemacht wurden. Den Anwohnern und Kunden wurde Raum gegeben, ihre eigenen Vorstellungen zur Zukunft der Markthalle einzubringen. (Das Ergebnis können Sie auf unseren Webseiten nachlesen.)
Seitens der BGM und der Mehrheit der Händler jedoch werden die Ergebnisse dieser Kunden-/ Anwohnerbefragung nicht berücksichtigt, da sie angeblich ihren Interessen widersprechen.
Bei Betrachtung der Ergebnisse der Kundenumfrage und der überwiegenden Positionen der Händler wird klar: Es gibt offensichtlich eine (scheinbar) unüberwindliche Kluft zwischen den Vorstellungen der Kunden/Anwohnern und der Händler über die Zukunft der Markthalle. Die Händler sind der Meinung, das Sanierungskonzept der BGM „diene allein den ökonomischen Interessen der Händler". Da die Händler ihre „große wirtschaftliche Chance" im BGM-Konzept sehen und dieses unbedingt verwirklicht sehen wollen, wird vonseiten der BGM und einem Teil der Händler mit groben Reizworten rhetorisch gegen das Ergebnis der Kundenumfrage und gegen den Mieterrat Chamissoplatz e.V. zu Felde gezogen.
Diskussion verweigert
Die BGM und die Händler verweigern sich der Debatte darüber, welch gravierende Auswirkungen die Realisierung des BGM-Konzeptes auf die im Umfeld der Markthalle lebenden Kunden/Anwohner hat. Die im Stadtviertel lebenden Anwohner und regelmäßigen Kunden der Markthalle hinterfragen jedoch kritisch, welche tiefgreifende Umstrukturierung das BGM-Konzept hinsichtlich der Versorgung, der sozialen Zusammenhänge im Viertel und der allgemeinen Lebensbedingungen im Kiez bewirkt.
Insgesamt konnte die BGM ihre Planungen zur Zerschlagung der bisherigen Strukturen der Markthalle und der Durchsetzung einer neuen Nutzungs- und Nutzerstruktur rigoros durchziehen, weil die Mehrheit der Händler sich kritiklos dem BGM-Konzept beugt. Die Händler argumentieren, „wir haben uns für das Modell unseres Vermieters BGM entschieden", und weisen mit diesen Worten alle kritischen Infragestellungen des BGM-Modells zurück. Die Händler begreifen ihre Entscheidung für das BGM-Konzept als hinreichende -„demokratische Entscheidung" und blockieren damit jede Einbeziehung der Ergebnisse der Kundenbefragung im Rahmen demokratischer Bürgerbeteiligung. Die Händler insistieren zudem gegen BVV-Beschlüsse, die den Erhalt der jetzigen Markthalle ohne Luxussanierung, den Erhalt der gemischten Marktstruktur, keine geballte Gastronomie an der Südseite, Einpassung in die Umgebungsarchitektur u.a. fordern.
Da der Mieterrat Chamissoplatz nachdrücklich auf einer Geltendmachung der Kundenwünsche und Forderungen im Rahmen der Bürgerbeteiligung beharrt, versuchen einige Wortführer der Händler Stimmung gegen den Mieterrat zu machen. Der Mieterrat stellt hierzu nochmals fest: Es war immer unser Bestreben, im Rahmen unseres Auftrages der Bürgerbeteiligung und deren Vertretung am „Runden Tisch" Kundenforderungen und Händlerinteressen miteinander zu verknüpfen. Doch die BGM und die Mehrheit der Händler haben sich dem verweigert. Das geht soweit, dass sie sich einem Lösungsvorschlag des Mieterrates widersetzen, der eine Reduzierung der Händlermieten und damit letztlich niedrigere Warenpreise für die Kunden möglich macht.
Der Mieterrat wird weiterhin auf Basis der Ergebnisse der Kundenbefragung eine behutsame Sanierung der Marheinekehalle fordern. Während sich Händler weigern, geäußerte Kundenwünsche und Anwohnerinteressen überhaupt zum Gegenstand ihrer Meinungsbildung zu machen, war es immer das Bestreben des Mieterrates Chamissoplatz e.V., die unterschiedlichen Interessen und Forderungen durch Einbringung konkreter Vorschläge auf eine für alle Beteiligten tragbare Basis zu stellen. Dieser konstruktiven Arbeit fühlt sich der Mieterrat trotz der Widerstände in den Reihen der Händler auch weiterhin verpflichtet.
Mit Stellen des Bauantrages und Ankündigung des Beginns der Bauarbeiten ab Januar 2007 wurden von der BGM Fakten geschaffen und das Bürgerengagement für eine behutsame Modernisierung der Marheinekehalle und Beibehaltung des unverwechselbaren Charakters der Halle ignorant übergangen.
Über die Zukunft der Marheinekehalle sollten weder allein die BGM noch einzelne oder mehrere Händler entscheiden!
Wie ein weiterer gemeinsamer Widerstand gegen die Realisierung des vorliegenden BGM-Konzeptes aussehen könnte, muß gemeinsam ausgelotet werden. Schreiben Sie uns deshalb Ihre Meinung dazu.
