Mieterladen Chamissoplatz
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Rettet die Marheinekehalle        6. Mai 2006

Bürger fordern Transparenz bei den Planungen
zum Umbau der Marheineke-Markthalle

Die Info-Veranstaltung „Rettet die Markthalle!”
fand großen Zuspruch

Am Dienstag, den 25. April 2006 fand auf Initiative des Mieterrates Chamissoplatz e.V. und Markthändlern in der Passionskirche eine Diskussionsveranstaltung zur Zukunft der Markthalle am Marheinekeplatz statt, die auf große Resonanz im Kreuzberger Chamisso-Bergmannstraßenkiez gestoßen ist. Die 850 Personen fassende Kirche war bis fast auf den letzten Platz besetzt.

Auf dem Podium stellten sich der Geschäftsführer der Berliner Großmarkt GmbH (BGM), Andreas Foidl, der zuständige Vertreter des Bezirksamtes, Wirtschaftsstadtrat Lorenz Postler und die Bezirksbürgermeisterin Frau Cornelia Reinauer den Fragen der Händler und Anwohner. Die Händler waren auf dem Podium durch Klaus Brünger vertreten, die Moderation übernahm für den Mieterrat Chamissoplatz e.V. Christoph Schulz.

Anwohner, Kunden und Händler der Markthalle forderten Auskunft über den Planungsstand und sprachen sich deutlich für einen Erhalt der Kleinteiligkeit der Markthalle aus. Die Markthalle müsse als ein sich in die Kiezstrukturen einfügendes Nahversorgungszentrum und wichtiger Kommunikationsraum erhalten bleiben.

Herr Foidl zeigte sich überrascht von dem großen Interesse und Engagement der Kiezbewohner. Die BGM hätte die Situation „offensichtlich unterschätzt”. Zwar sei er bereit die Besorgnisse der Händler und Anwohner bezüglich der Zukunft der Halle aufzunehmen, eine Bestandsgarantie für die derzeit in der Halle angesiedelten Händler könne und wolle er derzeit jedoch nicht geben. Obgleich der Geschäftsführer den bisherigen Planungsstand trotz intensiver Nachfragen nicht offenlegte, sagte er unter dem Eindruck der Veranstaltung zu, dass sich die bis dato überhaupt nicht unterrichteten Händler an der Planung beteiligen können und die BGM die Händler nun in die Entwicklung der Hallenkonzeption einbinden werde.

Die BMG will eine umfassende Sanierung und Modernisierung der Marheineke-Markthalle etwa ab 2007 durchführen, damit die Halle für Kunden und auch Händler attraktiver wird. Auch zahlreiche Händler sehen Handlungsbedarf hinsichtlich des baulichen Zustandes der Halle, müssen aber um ihre Existenz fürchten, wenn eine vorübergehende gänzliche Schließung der Halle erfolgt. Der Sprecher der Händler Herr Brünger sprach sich daher für eine behutsame und schrittweise Sanierung der Markthalle aus und kann sich dabei der Unterstützung der Anwohner sicher sein, die dies auch durch Redebeiträge deutlich zum Ausdruck brachten.

Eine schrittweise Sanierung würde aber wesentlich höhere Kosten verursachen und die Bauarbeiten in die Länge ziehen, so der Geschäftsführer Herr Foidl.

Für das Bezirksamt versicherte der zuständige Wirtschaftsstadtrat Lorenz Postler, er werde sich darum bemühen, dass die Händler aus den entsprechenden Senatsmitteln Ausgleichszahlungen für entstehende Sanierungslasten erhalten.

Bürgermeisterin Cornelia Reinauer vereinbarte mit Herrn Foidl, dass auch das Bezirksamt die weiteren Planungen und ihre Umsetzung im Rahmen einer Bürgerbeteiligung aktiv begleiten wird.

Da über 20% der Verkaufsflächen derzeit leer stehen nahm Herr Foidl wohlwollend den Vorschlag mit, diese leeren Standflächen bis zur Sanierung den Künstlern aus dem Kiez zur Nutzung zu überlassen.

Der Mieterrat Chamissoplatz e.V. wird mit Unterstützung des Bezirksamtes auch weiterhin die Interessen der Anwohner in die Diskussion einbringen und die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Händlern der Markthalle fortsetzen. Die Öffentlichkeit ist hergestellt. Hoffen wir, dass die Wünsche der Händler, Kunden und Anwohner in den Planungen berücksichtigt werden.

Nachsatz: Tagesspiegel-Artikel „Knatsch in Kreuzberg”
vom 26. April 2006

Baustadtrat Dr. Franz Schulz, der im Tagesspiegel vom 26.4. („Knatsch in Kreuzberg”) mit der Äußerung zitiert wird, dass die Zukunft der Markthalle mit „mehr Augenmaß, ohne apokalyptisches Geschrei” diskutiert werden müsse, war leider bei der Diskussion am 25. April in der Passionskirche nicht anwesend. Er hätte sich hier – auch als Zuhörer – ein differenziertes und angemessenes Bild machen können.

Der Absichtserklärung des Geschäftsführers der Berliner Großmarkt GmbH, Andreas Foidl, die bestehende Hallenstruktur erhalten zu wollen, und den Beteuerungen des Baustadtrates Dr. Franz Schulz, dass der Neubau großflächiger Supermärkte in der Bergmannstraße die Markthalle nur stärken würde, sollen an dieser Stelle Fakten gegenüber gestellt werden, die auch Anlass für die Diskussionsveranstaltung waren:
-  Bereits jetzt 20% Leerstand in der Halle.
-  Konzepte sollten bereits Ende 2005 vorgestellt werden. Planungen laufen also bereits. Der Planungsstand wird nicht bekanntgegeben.
-  Eine Zusicherung, dass die Händler auch zukünftig ihr Gewerbe ausüben dürfen, wird ausdrücklich abgelehnt.
-  Allein durch den Neubau eines Ärzte- und Einzelhandelszentrums mit 15700 qm Nutzfläche in der Bergmannstraße entsteht der Markthalle nach dem durch dessen Investor vorgebrachten Gutachten ein Kaufkraftverlust von 8,9 %.
-  Der vom Marheinekeplatz in den Neubau umziehende Kaisers-Supermarkt vervierfacht seine Verkaufsfläche, der benachbarte Discounter Plus vergrößert seine bisherige Verkaufsfläche auf das zweieinhalbfache.
-  In der Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung vom 19.1.2006 gibt der zuständige Gebietsleiter (Kaisers) bekannt, dass in die ehemalige Kaisers-Filiale der Billigbekleidungsanbieter Kik-Textildiscount einziehen soll. Die anwesenden Politiker nehmen dies ohne Kritik zur Kenntnis.

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