Wir haben uns nicht verabschiedet!
Das Gebiet um den Chamissoplatz ist am 11. September 2003 aus der Sanierung entlassen worden. Damit endete offiziell die Tätigkeit der Betroffenenvertretung nach § 137 Baugesetzbuch. Die Aktivisten führen die Arbeit der Betroffenenvertretung als »Mieterrat Chamissoplatz« im Mieterladen weiter.
Die ehemalige Betroffenenvertretung – eine kurze historische Skizze
Der Chamissoplatz war nicht immer – so wie heute – ein idyllischer Ort mit schönen Häusern. Viele Altbauten, die annähernd 100 Jahre hinter sich hatten, drohten in den 60er und 70er Jahren zu verfallen. In dieser Situation beschloss am 26. November 1974 der Berliner Senat »den Beginn der vorbereitenden Untersuchungen für den Kreuzberger Chamissokiez«. Damit erhielt der Chamissoplatz den Status eines »Sanierungserwartungsgebietes«, was die Anwohner in Kenntnis der Erfahrungen aus anderen Sanierungsgebieten in hohem Maße verunsicherte. Die Atmosphäre war gespannt. Eigentümer hielten ihre Häuser noch schlechter instand als vorher. Vor diesem Hintergrund wurde 1976 die »Initiative gegen Haus- und Wohnungsverfall« gegründet. Mitglieder der ersten Stunde waren unorganisierte MieterInnen, JUSOS, die Passionsgemeinde, die Arbeitsgruppe Sozialstudie der FHSS, der SEW, die SPD und der Chamissoladen. Aus der Initiative ging die »Mieterinitiative Chamissoplatz« hervor, die Vorläuferin der Betroffenenvertretung »Mieterrat Chamissoplatz«. (Näheres auch in der Broschüre »Am Berg gebaut«, erhältlich im Mieterladen, Fidicinstraße 36.)
Sanierungsgebiet Chamissoplatz
Am 25. Oktober 1979 erklärte der Berliner Senat endlich das Quartier um den Chamissoplatz zum Sanierungsgebiet. Seither fungierte der Mieterrat als Betroffenenvertretung im Sanierungsgebiet nach §137 Baugesetzbuch. So konnte 1979 die Mieterinitiative Chamissoplatz in die Willibald-Alexis-Straße 27 einziehen. Der Mieterrat Chamissoplatz hatte dort bis Juni 2002 seinen Sitz. Hauptaufgabe des Mieterrats war die Betreuung der von Sanierung betroffenen MieterInnen. Da die Wahrnehmung von MieterInneninteressen nie konfliktfrei vonstatten ging und Spekulantentum sowie Häuserleerstand dringende Maßnahmen erforderlich machten, setzte sich der Mieterrat Anfang der 80er Jahre auch für die Übernahme von Häusern durch deren InstandbesetzerInnen ein. In dieser Zeit waren zahlreiche Häuser oder Gebäudeteile von Abriss bedroht, und durch (mit oder ohne Sanierung) explodierende Mieten konnten viele MieterInnen ihre Wohnungen nicht mehr halten. Der Mieterrat Chamissoplatz engagierte sich deshalb besonders gegen den Leerstand, die Verdrängung von MieterInnen und für die Instandsetzung von Häusern, für die Einführung einer eigentümerunabhängigen Mieterberatung bei Sanierung und die Erstellung von Sozialplänen. Damit verhinderte der Mieterrat den Abriss zahlreicher Gebäude und es konnten vertretbare Miethöhen gehalten werden. Mit der Einrichtung der eigentümerunabhängigen Mieterberatung und der Beauftragung des Vereins für angewandte Sozialplanung und Stadtforschung (SPAS) fand die Sanierung schließlich in weitgehend geregelten Bahnen statt. Vorrangig wurden der Kampf gegen überhöhte Mieten und die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen.
